Auch ich in Arkadien

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Auf den Spuren der Italienischen Reise (1786–1788)
von Johann Wolfgang von Goethe

Auf seinen Reisen durch Italien lernte Peter Flachmann eine Vielzahl der Orte kennen, die Goethe in seinen Reisenotizen beschrieben hat. Sie inspirierten ihn zu 28 Graphitzeichnungen im Gemäldeformat. Die Bildmotive sind den Goethe-Texten präzise zuzuordnen, zeigen aber die geschilderten Gegebenheiten aus heutiger Sicht, und dabei lässt die spezielle Strichführung das flirrende Licht Italiens buchstäblich lebendig werden.

Im Einführungstext des Kataloges »Auch ich in Arkadien«, der in der 1. Auflage 2012 zu den Arbeiten erschienen ist, heißt es: 

»Peter Flachmann erst überführt Goethes Schilderungen gleichsam zurück in visuelle Resultate. Mit anderen Worten: durch Peter Flachmanns Augen sehen wir, was Goethe gesehen hat bzw. gesehen hätte, wenn er nicht vor allem mit Selbstbetrachtung beschäftigt gewesen wäre. Flachmann macht uns mit seinen graphischen Ansichten ein Italien zugänglich und »erlebbar«, wie es zu Goethes Zeiten schon inspirierend wirkte und wie es sich dem Normaltouristen heute noch als attraktiv und bereisenswert darbietet. Wir können uns also beim Betrachten wahlweise mit Goethe identifizieren, dem sich ganz ähnliche Motive eröffneten, oder wir können uns vorstellen, selbst auf den Stufen der Villa Rotonda zu stehen oder durch Dickicht am Fuße des Ätna zu stöbern.

»Blick auf Venedig«
2-teilig, 2009, 163 x 108 cm, Graphit auf Papier

»Giusti-Garten, Verona«

2010, 84 x 119 cm, Graphit auf Papier

Wie erwähnt, wurde Johann Wolfgang Goethe bereits im Vaterhaus mit Italienliebe infiziert; mit dem Verlauf der väterlichen Reise vertraut, konnte er dessen durch Kritik oder Schwärmerei verunklärte Erinnerungen an der »Wirklichkeit« überprüfen: »Die Hauptsache ist, daß alle diese Gegenstände, die nun schon über 30 Jahre auf meine Imagination abwesend gewürckt haben und also alle zu hoch stehen, nun in den ordentlichen Cammer- und Haus-Ton der Coexistenz heruntergestimmt werden«.

In den ordentlichen Cammer- und Haus-Ton der Kunst stimmt Peter Flachmann Goethes Notate nun wieder hinauf: indem er sich als der Zeichner betätigt, der Goethe nicht geworden war. Flachmanns Bildwerke, die er mit kühnem und entschlossenem Graphitstrich anlegt, sind dabei weitaus mehr als Illustrationen zu einem historischen Text. Zwar funktionieren sie jeweils in Verbindung mit Zitaten aus Goethes »Italienischer Reise«, doch ist jede der Veduten selbst geschaut – ganz nach dem Prinzip der Autopsie, demzufolge auch die Bildungsreisenden des 18. Jahrhunderts jeweils kontrolliert hatten, ob die Angaben in den Reiseberichten stimmten.

Flachmanns Zeichnungen lösen Erinnerungen aus bei denjenigen, die an diesen oder ähnlichen Orten selbst schon waren; sie wecken Reiselust bei denjenigen, die eine solche Fahrt noch vor sich haben oder sie wiederholen wollen; und sie erweisen sich als Hommage an einen berühmten Vorläufer, der auch sich (!) in Arkadien wähnte.«

Prof. Dr. Anna Zika

»Casa rustica bei Cento«

1998, 123 x 88 cm, Graphit auf Papier

»Giredo«

1998, 88 x 123 cm, Graphit auf Papier

»Das Jüngste Gericht«

(Detail, nach Michelangelo, Sixtinische Kapelle, Rom), 2010, 75 x 110 cm, Graphit auf Papier

»Forum Romanum«
2010, 122 x 86 cm, Graphit auf Papier

»Neapolitanische Apokalypse«
2010, 120 x 95 cm, Graphit auf Papier

»Sizilianische Landschaft bei Enna«, 2010, 123 x 88 cm, Graphit auf Papier

»Unheil vor Capri«
2010, 123 x 88 cm, Graphit auf Papier

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