Vicenza, die Hauptstadt der Region Venetien im Norden Italiens, ist das Ziel vieler Bewunderer des Architekten Andrea Palladio, der hier im 16. Jahrhundert großartige Bauwerke im Renaissancestil in der Verbindung von Harmonie und Eleganz errichtete.
Mit der Architektur Palladios in Vicenza und im Veneto erreichte die Baukunst der italienischen Villa eine Perfektion, die noch eine lange Zeit der europäischen Architektur als Vorbild diente.
Auch ich zähle mich schon seit vielen Jahren zu den Bewunderern Palladios. Eine erneute Reise im Oktober 2024 nach Vicenza und ins Veneto gab mir die Möglichkeit, besonders die Altstadt Vicenzas mit ihren großartigen Gebäuden und Plätzen zu erkunden. In großformatigen Kohlezeichnungen habe ich in meinem Bielefelder Atelier die Eindrücke, die mich besonders fasziniert haben, festgehalten. Dabei war mir wichtig, nicht detailgetreu die Gebäude, Gassen und Plätze etc. abzubilden, sondern den Kohlestift meinen Empfindungen und Erinnerungen entsprechend über den Zeichenkarton laufen zu lassen – also ein ganz persönliches zeichnerisches Ergebnis.
Ich hoffe, dass ich den Betrachtern der Arbeiten ein wenig meine Bewunderung für die Baukunst in der Renaissancestadt Vicenza und Venetiens vermitteln kann.
Peter Flachmann
Es hat einen besonderen Zauber, durch die Gassen in Vicenza zu gehen, und da bei die Vielfalt der italienischen Baukunst zu entdecken, in deren Mittelpunkt häufig die Architektur Palladios zu bewundern ist. Das Zentrum der Altstadt bildet der Hauptplatz Piazza dei Signori mit der Basilica Palladiana, dem 82 Meter hohen Torre Bissara und der Logia del Capitaniato, dem Sitz des früheren Statthalter Venedigs.
Darüber hinaus öffnen sich im Stadtbild immer wieder zauberhafte Plätze, die mit ihrem italienischen Flair zum Verweilen einladen. Trotz all der unterschiedli chen Bestimmungen und Nutzungen bilden Gebäude, Straßen und Plätze ein interessantes städtebauliches Gesamtkunstwerk, in dem es eine Freude ist, auf Entdeckungstour zu gehen.
Diese beeindruckende Basilika ist ein frühes Meisterwerk des Andrea Palladio (1508-1580), das seinen Ruhm als Architekt begründete.
Durch die Verwendung von weißem Marmor und die gleichmäßige Wiederholung eines aus dem Triumphbogen abgeleiteten Motivs erhielt das Bauwerk, und es handelt sich hier um ein öffentliches Gebäude mit Geschäften, Märkten und Veranstaltungsorten, ein vollkommenes und gleichermaßen repräsentatives Aussehen.
Durch die vorgestellten Halb und Doppelsäulen zu beiden Seiten der großen Arkadenbögen erhält die Fassade eine beeindruckende Plastizität und Tiefenräumlichkeit.
Das mit einem Kupferdach ausgestattete Einzelgebäude prägt weithin sichtbar die Silhouette der Stadt.
»Es ist nicht möglich, den Eindruck zu beschreiben, den die Basilika von Palladio macht …« (J. W. Goethe: Italienische Reise)
Zwei Flüsse, der Retrone und der Bacchiglione, vereinigen sich hier in Vicenza zu einem Wasserweg, der viele Jahrhunderte lang, weiter über die Brenta führend, als Transportweg genutzt wurde und südlich von Venedig in die Adria mündet.
Es ist sicherlich ein romantisches Bild, von einer der Brücken auf die Wasserläufe zu schauen, und sich ein wenig nach Venedig versetzen zu lassen, aber bei extremem Hochwasser hat sich in der Vergangenheit leider auch gezeigt, dass die Flüsse die Stadt mit ihren Wassermassen überfluten können.
Das Teatro Olimpico ist für viele Besucher der Höhepunkt einer Entdeckungstour durch Vicenza. Es wurde von Andrea Palladio 1580 im Stil eines römischen Amphitheaters entworfen, und es ist seit der Antike das erste freistehende Theatergebäude in Europa.
Palladio wandelte die antiken Vorgaben ab und gestaltete den Zuschauerraum als Halboval mit aufsteigenden Sitzreihen, die von einem Säulengang – geschmückt mit antiken Skulpturen – abgeschlossen werden.
Die Bühnenarchitektur wurde von einem Zeitgenossen Palladios, Vincenzo Scamozzi, entworfen und gibt den Blick frei auf eine Stadt, die Theben darstellen soll. Da die Häuser verkleinert sind, wirkt das Bühnenbild ausgesprochen räumlich und wesentlich tiefer und es ist bis heute unveränderbar.
Die Eröffnung 1585 erlebte Andrea Palladio aufgrund seines plötzlichen Todes nicht mehr.
Mit viel Erfolg wird das Theatro Olimpico, da es weder beheizt noch klimatisiert werden kann, in unserer Zeit nur im Frühling und im Herbst bespielt und darf nur 400 Zuschauer aufnehmen.
Auch ich erlebte im Herbst 2024 im Rahmen des Vicenza Opera Festival zwei unvergessliche Aufführungen mit dem Budapest Festival Orchester unter der Leitung von Iván Fischer.
Im weiten Umfeld von Vicenza hat Andrea Palladio eine Vielzahl an Villen gebaut, von denen die Villa La Rotonda, gelegen auf einer Anhöhe am südöstlichen Stadtrand von Vicenza, als Höhepunkt seiner Baukunst zu sehen ist. Von hier aus hat man in alle vier Richtungen einen wunderbaren Blick über die venetische Landschaft.
Die Villa Rotonda ist ein viereckiges Gebäude, das einen runden, von oben beleuchteten Saal in sich schließt. Von allen vier Seiten steigt man auf breiten Treppen hinauf und gelangt jeweils in eine Vorhalle, die von sechs korinthischen Säulen gebildet wird. Von dort aus gelangt man in den zentralen Kuppelsaal, dessen pompöse Ausstattung mit Stuck und Fresken aus den 1590er Jahren sicherlich wenig den Intentionen Palladios entspricht.
Die Villa war nicht als landwirtschaftliches oder reines Wohngebäude gedacht, man kann davon ausgehen, dass hier in den Sommermonaten Feste und kulturelle Veranstaltungen aller Art abgehalten wurden. Viel wichtiger als der praktische Nutzen des Hauses war wohl die Schaffung eines idealen Gebäudes, dessen Ästhetik den antiken Vorbildern gleichzukommen suchte.
Südlich der Stadt liegt inmitten einer wunderschönen Gartenlandschaft die ebenfalls berühmte Villa Valmarana ai Nani, die im 17. Jahrhundert erbaut und einige Jahre später um ein Gästehaus (Foresteria) und ein Atrium erweitert wurde. Besonders bekannt sind die von Vater und Sohn Tiepolo stammenden bezaubernden Fresken in der Villa und dem Gästehaus.
Die »Regione del Veneto«, gelegen zwischen Venedig und dem Fuße der Alpen, ist eine reizvolle Landschaft mit malerischen und historisch bedeutungsvollen Städten.
Bassano del Grappa, am Rande der Alpen gelegen, hat eine bezaubernde Altstadt. Die drei Hauptplätze mit umliegenden Fußgängerzonen, vielen interessanten Geschäften und Bars verleihen dem Ort einen besonderen Charme. Die Hauptattraktion der Stadt ist die im Stadtzentrum liegende »Ponte Vecchio«. Sie überquert den Fluss Brenta und wurde von Andrea Palladio entworfen. Sie wurde komplett aus Holz gebaut und gilt noch heute als ein Meisterwerk der Ingenieurskunst.
Im Herzen des Veneto gelegen, ist Asolo eine befestigte Stadt, reich an Geschichte, Kunst und Kultur und gehört zu den »Borghi più belli d’Italia« (die schönsten Orte Italiens). Die historischen Mauern der Altstadt Asolos sind durch eine Festung aus dem 12. Jahrhundert geprägt und mit dem Dom Santa Maria Assunta gehören sie zu den Haupt-Sehenswürdigkeiten der Stadt.
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